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Forschende sehen Weltnaturerbe Wattenmeer durch den Klimawandel ernsthaft bedroht Der Meerespiegel steigt und bedroht das Weltnaturerbe Wattenmeer (Foto: Stock LKN.SH)

Forschende sehen Weltnaturerbe Wattenmeer durch den Klimawandel ernsthaft bedroht

Vom 30.11. bis 2.12.2021 präsentierten und diskutierten über 200 Expert:innen aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer auf dem 15. International Scientific Wadden Sea Symposium (ISWSS). Die Tagung war ursprünglich als Präsenzveranstaltung in Büsum geplant und fand nun als Onlinekonferenz statt.

Eine der größten Bedrohungen für das global einzigartige Ökosystem Wattenmeer ist der Klimawandel und der dadurch bedingte Meeresspiegelanstieg. Die Auswirkungen auf die Biodiversität und geologische Dynamik des Wattenmeeres sowie mögliche Schutzmaßnahmen standen im Fokus des Symposiums.

Vor diesem Hintergrund wurden sechs Themenfelder in eigenen Sitzungen konkreter beleuchtet: Vögel, Meeressäuger, Neobiota, sublitorale Habitate sowie sozioökonomische bzw. ökologische nachhaltige Entwicklung. Neben einer Vielzahl von Vorträgen zu den neusten Forschungsergebnissen wurden von den Expert:innen-Gruppen zu jedem Thema Empfehlungen für das Management des Wattenmeeres und der weitere Forschungsbedarf diskutiert und formuliert.

Das Symposium blickte auch über das Schutzgebiet vor der eigenen Haustür hinaus und ließ internationale Welterbe-Expert:innen sowie Gastvortragende aus dem koreanischen Wattenmeer, das seit diesem Sommer ebenfalls als Weltnaturerbe ausgezeichnet ist, zu Wort kommen.

Die internationale Zusammenarbeit ist von großer Bedeutung für den Schutz der marinen Weltnaturerbestätten, da sie durch den Klimawandel besonders gefährdet sind. Die Trilaterale Wattenmeerzusammenarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz dieser sensiblen Ökosysteme und ist weltweit anerkannt“, so Ilka Wagner, Referatsleiterin Meeresnaturschutz im Bundesumweltministerium.

„Anhaltend hohe Zahlen neuer, bisher nicht heimischer Arten im Wattenmeer und ihre dauerhafte Etablierung zeigen, wie menschliche Faktoren zusammenwirken können", sagte Dr. Christian Buschbaum, Meeresökologe am Alfred-Wegener-Institut auf Sylt, der die Sitzung zu Neobiota moderierte. "Mit dem globalen Schiffstransport und durch Aquakulturen werden fremde Organismen eingeschleppt, die durch die Klimaerwärmung geeignete Lebensbedingungen vorfinden. Welche Effekte diese Exoten im Ökosystem zeigen, ist zentrales Thema der Forschung. Es ist eine zunehmend wichtigere internationale Aufgabe Maßnahmen zu entwickeln, um das Wattenmeer vor der Einschleppung weiterer fremder Arten zu schützen."

Zum Abschluss der dreitägigen Tagung fasste die Vorsitzende des Wadden Sea Boards, dem höchsten Steuerungsgremium der dänisch-niederländisch-deutschen Wattenmeerkooperation, die Erkenntnisse zusammen: „Die Wissenschaft zeigt, dass schon jetzt das Weltnaturerbe Wattenmeer durch den Klimawandel deutlich beeinflusst wird. Besonders herausgestellt hat das Symposium, dass der Austausch von Daten und Informationen zwischen den drei Ländern weiter intensiviert werden muss, um das Management zum Schutz des Wattenmeers auch an neue Herausforderungen anpassen zu können", sagte Prof. Dr. Karin Lochte.

Die Ergebnisse sollen in die Ministererklärung der nächsten Trilateralen Regierungskonferenz der drei Wattenmeer-Anrainerstaaten einfließen, die auf Einladung Deutschlands zum Abschluss seiner Präsidentschaft der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit Ende 2022 in Wilhelmshaven stattfinden wird und die politische Weichenstellung für den Wattenmeerschutz der kommenden Jahre bildet. Zudem werden die Ergebnisse unter dem Titel „Biodiversity and Ecology of the Wadden Sea under changing environments“ im englischsprachigen Journal „Marine Biodiversity“ veröffentlicht.

„Mit mehr als 200 internationalen Teilnehmenden wurde das virtuelle Symposium sehr gut angenommen. Dank der multifunktionalen Plattform klappte der kollegiale Austausch auch online super,“ freute sich Marina Sanns von der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, die das Symposium maßgeblich mitorganisiert hat. „Das war ein toller Abschluss unseres Nationalpark-Themenjahrs 2021 „Wissenschaft im Wattenmeer – Dem Verborgenen auf der Spur“.

Das 15. ISWSS wurde von der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer in Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium und dem Gemeinsamen Wattenmeersekretariat (CWSS) organisiert. Im Rahmen der trilateralen Kooperation zum Schutz des Wattenmeeres findet diese Veranstaltung regelmäßig ein Jahr vor Ende der Präsidentschaftszeit eines der drei Wattenmeerstaaten statt. Das letzte Wissenschaftssymposium wurde 2017 im dänischen Tondern abgehalten.

Das Wattemeer der Nordsee bildet das größte zusammenhängende Sand-Schlickwattsystem der Welt, in dem dynamische Prozesse in einem weitgehend ungestörten Naturzustand ablaufen können. Es erstreckt sich über 500 Kilometer entlang der Küsten von Deutschland, Dänemark und den Niederlanden, wo es durch Nationalparks bzw. Naturreservate geschützt ist. 2009 wurde das Wattenmeer für seine global herausragende geologische und ökologische Bedeutung in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Es beherbergt über 10.000 Pflanzen- und Tierarten, die sich an die wechselhaften Lebensumstände angepasst haben. Millionen von Zugvögeln sind auf das Wattenmeer als Zwischenstopp und Rastgebiet angewiesen. Um den Schutz des Gebiets zu sichern, arbeiten die Niederlande, Deutschland und Dänemark seit 1978 zusammen und übernehmen gemeinsam die Verantwortung dafür, dass dieses einzigartige Ökosystem zum Wohle jetziger und zukünftiger Generationen erhalten bleibt.